
Folge 32 - "Die Rechnung mit dem Trick"
Transcript: Daniel G

OPENING SEQUENCE
(Mit einem langen Schwenker schweift die Kamera über Poster, Bilder und vieles andere aus Kevins Zimmer. Sie alle zeigen Footballspieler, Astronauten und bekannte Persönlichkeiten, aber es liegen auch Hefte über Superhelden auf Kevin's Bett.)
Jeder Junge braucht einen Helden, ein Idol - das weiß jeder. Idole lehren uns Mut, Ideale, zeigen uns das Leben. Manchmal sind Helden leicht zu entdecken. Aber manchmal tauchen sie an den unwahrscheinlichsten Orten auf.
INT. VORMITTAG. KLASSENRAUM
(Matheunterricht. Mr. Collins schreibt unermüdlich Formeln an die Tafel und erklärt, ohne eine Pause einzulegen.)
MR. COLLINS: Nehmt beide Seiten der Gleichung zum Quadrat. Ziel ist, x zu isolieren. Vereinfacht weiter, indem ihr die nun enstandenen Quadratausdrücke auf beiden Seiten der Gleichung auflöst.
Mr. Collins und ich hatten eine Menge zusammen durchgemacht. Eine Menge Mathe jedenfalls. Der Anfang unserer Beziehung lief ziemlich daneben, aber je besser ich ihn kennenlernte, desto mehr...ja...mochte ich den Kerl.
MR. COLLINS (klopft mit einer Art Holzstab auf die Überschrift an der Tafel): Auf diese Art und Weise lösen wir Gleichungen auf, in denen eine einfache Wurzel enthalten ist.
Er war nicht gerade das, was man sich unter cool vorstellt.
MR. COLLINS (dreht sich zur Klasse um): Noch Fragen?
(Ein Junge links neben Kevin meldet sich.)
MR. COLLINS: Mr. McCormick?
McCORMICK: Sollen wir vielleicht irgendwas von diesem Zeug für den Test wissen?
MR. COLLINS: Ihr sollt alles wissen.
(Ein Raunen des Entsetzens geht durch die Klasse.)
MR. COLLINS: Ich würde es nicht lehren, wenn ich nicht fände, ihr solltet es wissen.
Aber er war fair.
MR. COLLINS: Ich schlage euch insbesondere vor, daß ihr euch die Gleichung an der Tafel einprägt. Sie findet sich höchstwahrscheinlich in eurem Test.
Man mußte Respekt vor ihm haben - ich jedenfalls hatte welchen. Und ich hatte das Gefühl, es beruhte auf Gegenseitigkeit.
(Kevin sieht sich lächelnd um.)
MR. COLLINS: Mr. Arnold, ist hier irgendwas besonders amüsant?
KEVIN: Äh, nein. Nein, nichts.
(Es klingelt. Alle Schüler springen sofort auf, werden aber von Mr. Collins unterbrochen.)
MR. COLLINS: Zu morgen, wiederholt das Kapitel 14, "Wurzeln und Potenzen"!
(Wieder geht ein Raunen durch die Klasse, als die Schüler ihre Sachen einpacken und den Raum verlassen. Darunter sind hauptsächlich negative Kommentare über Mr. Collins und Mathe.)
SCHÜLER: Ein echter Vollidiot!
Für einige vielleicht. Aber für mich war der Mann eine Art Held. Für ihn wollte ich mein Bestes geben. Nicht, daß ich mit meinem Besten irgendwie angeben konnte. Aber...
INT. TAG. SCHULBÜCHEREI
(Kevin und Paul sitzen nebeneinander in zwei Nischen und lernen.)
PAUL: Ein Krampf ist das. Wieso hab ich mich nur von Collins zu Mathe für Fortgeschrittene überreden lassen?
KEVIN: Ach Paul, das machst du doch locker.
Aber wenigstens hatte ich nicht den Leistungsdruck eines Oberliga-Mathegenies.
PAUL: Also, ich weiß nicht. Sieh nur, was ich in meiner letzten Arbeit hatte.
(zeigt Kevin das Blatt; geringschätzend und enttäuscht)
PAUL: Eine Zwei!
KEVIN: Was hast du denn gegen Zweien?
PAUL: Eine Zwei ist, als würdest du deine Schwester küssen.
KEVIN (holt seinen letzten Test hervor): Und wenn küßt man mit einer Drei?
PAUL: Äh...entschuldige. Ich meinte...
KEVIN: Nein, schon gut, Paul. Das macht mir überhaupt nichts.
PAUL: Ich geh mir ein bißchen Literatur besorgen.
Tatsache war, das ich riesig stolz auf meine armselige Drei war. Ich hatte hart dafür gearbeitet. Was soll's - wir können ja nicht alle Doktor Algebra sein. Außerdem, wer weiß - mit etwas mehr Mühe und einem Lehrer wie Collins...
(Kevin hört plötzlich leise Stimmen und hört genauer hin.)
McCORMICK (zu zwei Jungen, die neben ihm stehen): Macht euch nicht ins Hemd. Der Typ lebt auf dem Planeten des Pythagoras. Der würde doch selbst mit beiden Händen und einem Rechenschieber nicht mal seine eigene Nase finden.
Augenblick mal - was war denn das?
JUNGE #1: Ich weiß nicht. Hört sich riskant an.
McCORMICK: Soll das 'n Witz sein? Das ist kinderleicht. Da ist nichts dabei. (holt ein Buch hervor) Seht euch das an!
JUNGE #2: Unser Mathebuch - na und?
McCORMICK: Ach ja? Bist du da so sicher?
JUNGE #1: Wow, die Lehrerausgabe! Wo hast du die her?
McCORMICK: Sagen wir, ich hab sie. Collins' Testaufgaben sind alle aus dem Buch, und in diesem Buch hier stehen die Antworten.
Komisch. Ich hätte McCormick nie für einen Schummler gehalten.
(Kevin beobachtet die drei über den Rand der Abtrennung seiner Nische.)
JUNGE #1: Also, ich weiß nicht.
McCORMICK: Hey, ihr jammert doch immer über eure schlechten Noten, nicht ? Wie wär's denn zur Abwechselung mal mit Zweien anstelle eurer Vieren?
JUNGE #2: Und wie läuft die Sache ab?
McCORMICK: Warte - zuerst brauchen wir ein Codewort. Wenn wir darüber reden wollen, sagen wir..."Wie findest du die Mets?"
JUNGE #1: (wiederholt leise) "Wie findest du die Mets?" Klasse. Super.
McCORMICK: Also, lassen wir uns wieder vollquatschen.
JUNGE #1: Ja, gehen wir los.
JUNGE #2: Gut, bis später, Eddie.
(Beim Gehen erblickt McCormick Kevin, der immernoch über den Rand seiner Nische blickt. Er sagt aber nichts und geht einfach.)
Ich konnte es nicht fassen. Waren diese Jungs irre? In Collins' Unterricht zu schummeln? Das war doch nicht richtig!
INT. TAG. SPORTHALLE
(Sportunterricht. Die Jungen sitzen auf dem Boden und hören Mr. Cutlip zu, dessen Stimme durch die ganze Halle schallt.)
MR. CUTLIP: Moral ist Luxus, wenn es zum Kampf kommt. Und Fairness gehört in die Märchenstunde. Der Schlüssel zum Überleben heißt Gerissenheit und Geistesgegenwart. Töte, oder werde getötet. Gentleman - zeigt, was ihr könnt. (hebt einen Ball vom Boden auf) Jetzt gibt es Brennball.
(Kurz darauf stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die mit mehreren Bällen durch die Halle werfen. Ziel ist es jeweils, einen Spieler der gegnerischen Mannschaft zu treffen, so daß dieser aus dem Spiel ausscheidet. Gewonnen hat, wer zuerst alle Gegner abgeworfen hat. Mr. Cutlip steht neben dem Spielfeld.)
(übertönt den Lärm): In der Junior Highschool bewegte man sich immer hart am Rande der Zivilisation.
(McCormick, der ebenfalls in Kevin's Mannschaft ist, gesellt sich zu ihm.)
McCORMICK: Hey Arnold! Du hast wohl nicht zufällig unsere Unterhaltung in der Schülbücherei gehört, oder?
KEVIN: Machst du dir deshalb Sorgen, oder was?
McCORMICK: Nein. Ich weiß, du hältst hundertprozentig dicht.
MR. CUTLIP: Dschungeltaktik, Männer! Gnade ist fehl am Platz.
McCORMICK: Wenn du willst, kannst du jederzeit mitmachen.
War das ein Scherz?
KEVIN: Nein, ich hab kein Interesse.
McCORMICK: Du mußt es ja wissen.
MR. CUTLIP: Ich will einen richtigen Angriff sehen. Weiter so, McCormick!
KEVIN: Du weißt, daß du damit nie im Leben durchkommst!
McCORMICK: Wieso denn das? Du kennst du Collins!
KEVIN: Irgendwann kriegt er's raus, und dann seid ihr allesamt fällig.
McCORMICK (macht sich über Kevins Einwände lustig): Ach, warum hab ich daran nicht gedacht. Was für eine blöde Idee! Du hast recht, Kevin.
MR. CUTLIP: Kommt schonehr Einsatz! Konzentration! Sammelt euch!
KEVIN: Ich will damit nur sagen, daß Collins euch...
McCORMICK: Hör doch auf, Arnold! Sei bloß nicht so ein Trottel. Collins ist nicht Gott! Er ist nichts weiter als ein älterer Mathelehrer in einem miesen Anzug.
Ach ja? Na, dieser Typ würde sich noch wundern.
KEVIN: Alles klar. Ist ja deine Beerdigung.
McCORMICK: Wird sich zeigen.
Allerdings. Jedenfalls konnte er nicht sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt. Es war seine Sache, wenn er wollte, daß man ihn...
(Kevin wird unsanft am Kopf getroffen und geht zu Boden.)
MR. CUTLIP: Raus, Arnold!
(Mr. Cutlip pfeifft ab und kurz darauf ertönt auch schon das Klingelzeichem.)
INT. TAG. KLASSENRAUM
(Matheunterricht. Mr. Collins geht durch die Klasse und verteilt die Aufgabenblätter.)
MR. COLLINS: Haltet die Bleistifte bereit! Die Bücher verschwinden da! Ihr habt 20 Minuten, um den Test auszufüllen.
SCHÜLER: Hier. (gibt ein Blatt an seinen Hintermann weiter.)
Also gut. Brennball war eine Sache - Mr. Collins war eine ganz andere. Diese Jungs taten mir beinah leid. Glaubten sie tatsächlich, sie könnten diese Nummer abziehen?
(Die drei Jungen, die Kevin in der Schulbücherei belauscht hatte, sitzen nahe beieinander und lachen leise vor sich hin, während sie ihre Spickzettel mit den Lösungen hervorholen.)
MR. COLLINS (sieht auf die Uhr): Fangt an.
(Mr. Collins beginnt, langsam an den Tischen vorbeizulaufen, kommt schließlich auch bei dem ersten der Jungen an und sieht auf dessen Blatt.)
Na, das hatte ja nicht lange gedauert. Es ging los. Angriffsziel im Visir, Radar aktiviert und...da haben wir doch etwas...
(Mr. Collins sieht weiterhin unentwegt auf das Blatt des Jungen und klopft mit einem Bleistift auf den Tisch. Dort scheint er eine Ewigkeit lang stehenzubleiben, während Kevin ihn beobachtet. Schließlich geht er weiter, ohne ein Wort gesagt zu haben.)
KEVIN (überrascht): Hä?
Nicht zu fassen! Collins hatte es übersehen! Direkt vor seiner Nase - und er hatte es übersehen!
MR. COLLINS: Mr. Arnold?
(Plötzlich steht Mr. Collins neben Kevin, der immernoch fassungslos zu dem Jungen hinüberstarrt.)
MR. COLLINS: Wirst du von irgendetwas abgelenkt?
KEVIN: Äh...nein, Sir.
MR. COLLINS: Dann schlage ich vor, daß du dich auf deinen Test konzentrierst.
KEVIN: Ja, Sir.
Na gut. Wenn er es so haben wollte...Sollte McCormick doch schummeln - das ging mich sowieso nichts an. Nein, ich würde weiter meine üblichen Dreien schreiben.
INT. MITTAG. CAFETERIA
(Paul und Kevin sitzen sich gegenüber an einem der vielen Tische. Kevin zeigt Paul seinen Test.)
PAUL (entsetzt): Eine Vier? Du hast eine Vier?!
KEVIN: Ich versteh's ja auch nicht. Ich hab 72 Punkte. Letzte Woche hatte ich auch 72, und da war's eine Drei.
PAUL: Laß mich doch mal sehen...(nimmt das Blatt) Mmh, er benotet nach dem Klassendurchschnitt.
Der Klassendurchschnitt - man hatte davon gehört, aber man glaubte doch nicht, daß es einen mal selbst treffen würde.
PAUL: Die Zensurenverteilung erfolgt parabolisch. Im Grunde mußt du dir die Notendurchschnittskurve wie eine Glocke vorstellen.
KEVIN: Paul, ich weiß, was 'ne Kurve ist.
Zumindest wußte ich genug darüber um zu merken, daß etwas faul war.
(Kevin sieht zu den drei Schülern, die beim Mathetest geschummelt hatten und die jetzt in der Cafeteria sitzen und sich über ihre Zweien freuen.)
McCORMICK: Nicht schlecht.
KEVIN (zu Paul): Das würde also heißen, ähm, wenn ein paar Schüler letzte Wochen Dreien und Vieren in ihrem Test hatten und diese Wochen Einsen und Zweien...
PAUL: Das ist es. Das kann deine Note runterziehen.
SCHÜLER #1: Eine glatte Zwei! Was hattest du denn?
SCHÜLER #2: Eine Zwei minus. Stark!
PAUL: Aber ich würde mir da keine Sorgen machen. Ich bin sicher, das geht wieder vorbei.
KEVIN: Wie kommst du auf die Idee?
PAUL: Naja, so ein Notendurchschnitt ändert sich doch nicht einfach über Nacht. Soviel ist jedenfalls klar.
Aha, das war Paul vielleicht klar. Aber wie stand es mit Mr. Collins? Es war Zeit für Mr. Hart-aber-Gerecht, dem ein Ende zu machen.
INT. TAG. KLASSENRAUM
(Der nächste Mathetest. Wieder geht Mr. Collins durch die Reihen. Kevin sieht ihm hinterher und beobachtet dabei auch die drei Schüler, die wieder ihre Spickzettel abschreiben und diese schnell verschwinden lassen, als Mr. Collins vorbeikommt - und wieder nichts merkt.)
KEVIN: Nun komm schon!
Es war so offensichtlich! Es lag förmlich auf der Hand! Konnte Mr. Collins wirklich so...blind sein?
(Es klingelt. Die ganze Klasse stürmt aus dem Raum und jeder Schüler gibt beim Vorbeikommen am Lehrertisch seinen Test ab. Nur Kevin wartet noch etwas länger.)
Es war Zeit für ein kleines Gespräch.
(Kevin geht nach vorne zu Mr. Collins.)
KEVIN: Mr. Collins?
MR. COLLINS (blickt langsam zu Kevin auf): Ja?
KEVIN: Es geht um unsere Test.
MR. COLLINS: Was ist damit?
KEVIN: Naja...Müssen die Aufgaben immer aus dem Buch sein?
MR. COLLINS: Das habe ich der Klasse gesagt, als das Semester anfing.
KEVIN: Ja, aber... ist das nicht etwas leicht durchschaubar?
Da! Jetzt biß er an. Ich wußte, ich konnte auf ihn zählen.
MR. COLLINS: Kevin, hast du vielleicht ein Problem?
KEVIN: Ähm, nein. Es ist nur...dieser Klassendurchschnitt. Finden Sie das denn nicht unfair?
MR. COLLINS: Nein, das finde ich nicht.
KEVIN: Naja, ich...hab das Gefühl, daß...dieses Benotungssystem falsch ist - für diese Klasse jedenfalls.
Bitte - ich hatte ihn praktisch darauf gestoßen. Was würde er dazu sagen?
MR. COLLINS: Ich freue mich, daß du mitdenkst, Mr. Arnold, aber ich schlage vor, daß du dir nicht den Kopf darüber zerbrichst, was den Rest der Klasse angeht.
KEVIN: Hä?
MR. COLLINS: Einfach jedes Problem beinhaltet seine eigene Lösung, Mr. Arnold.
Was erzählte dieser Typ?! Das war ja, als würde man aus dem Kaffeesatz lesen, während meine Noten immer weiter in den...
MR. COLLINS: Ist sonst noch etwas?
KEVIN (enttäuscht): Nein.
(Kevin geht, bleibt aber vor der Tür stehen und dreht sich noch einmal zu Mr. Collins um, der wieder in die Tests vertieft ist und nicht einmal aufblickt, als er sich die Nase putzt.)
Da wurde mir klar, daß ich mich in dem Mann getäuscht hatte. Das war kein Held. Er war nichts weiter als ein älterer Mathelehrer in einem miesen Anzug, der an der Junior Highschool Algebra lehrte.
(Kevin verläßt den Raum und sieht auf dem Gang McCormick und die anderen beiden Schüler stehen.)
Das war nicht fair. Diese Typen fuhren in aller Seelenruhe schwarz, während der Fahrkartenkontrolleur ein Nickerchen machte.
KEVIN (ruft laut): Hey, McCormick!
McCORMICK (ruft zurück): Ja?
(Kevin kommt zu den Jungen hinüber.)
Es wurde Zeit, die Sache klarzustellen. Ich würde die Lage ein für allemal unter Kontrolle bringen.
McCORMICK (genervt): Was?
Jetzt oder nie!
KEVIN: Wie findest du die Mets?
McCORMICK (lächelt): Alles klar.
ORT DER HANDLUNG unbekannt
Und so begann mein Verbrecherleben. Da komische war, ich hatte es für viel schwerer gehalten, aber...McCormick hatte recht: Es war kinderleicht. Zuerst jedenfalls.
INT. TAG. KÜCHE
(Kevin präsentiert zu Hause seinen neuesten Test.)
NORMA (erfreut und stolz): Eine Zwei! Kevin, das ist wunderbar. Ich bin wirklich unheimlich stolz auf dich.
Aber schon bald...
NORMA: Siehst du: Du mußt dich nur etwas anstrengen, dann kriegst du auch gerechte Noten.
...wurde die Sache komplizierter.
INT. TAG. CAFETERIA (?)
(Paul und Kevin sitzen wieder in der Cafeteria. (?) Paul sieht sich gerade Kevin's Test an.)
PAUL: Du hast eine Zwei plus? Kevin, du Mathegenie, du!
KEVIN: Andererseits...
PAUL: Vielleicht sollt ich ab jetzt mit dir üben.
KEVIN: Was soll ich da sagen?
Was konnte ich da sagen?
WINNIE: Eine Eins minus? Kevin, ich bin so stolz auf dich!
Es war alles etwas verwirrend.
WINNIE: Alle sagen, Mr. Collins soll so streng sein.
KEVIN: Ähm, ja, aber...
WINNIE: Kevin, du bist so intelligent!
Ich meine - wo sollte das noch hinführen?
WINNIE: Vielleicht hilfst du mir ja mal bei Mathe.
INT. TAG. KLASSENRAUM
(Mr. Collins gibt wieder einmal Tests zurück.)
KEVIN (erschüttert): Eine Eins!
Gut, vielleicht war ich zu weit gegangen. Aber ich konnte gar nicht anders. Schließlich war es ziemlich klar, daß sich niemand um den Laden hier kümmerte. Und wenn es Collins nichts ausmachte, warum dann mir?
MR. COLLINS: Mr. Arnold? Ich würde dich gern einen Augenblick sprechen.
Doch dann, plötzlich, machte es mir etwas aus. Okay, jetzt bloß nicht um Gnade winseln. Leg einfach deinen Kopf auf den Richtblock und bete um einen sauberen Hieb!
MR. COLLINS: Ich hab mir eben deine Noten angesehen.
KEVIN (ängstlich): Ja, Sir?
MR. COLLINS: Du hast dich hochgearbeitet von 72 vor zwei Wochen, über 85, 87, 92 und heute sind es 96. Findest du das nicht ausgesprochen bemerkenswert?
KEVIN: Naja, äh...eigentlich schon.
MR. COLLINS: Ich hab mir überlegt, was wir da machen sollen.
In gewisser Weise war es eine Erleichterung. Ich glaube, irgendwie wollte ich diese ganze Sache nur hinter mich bringen.
MR. COLLINS: Ich dachte, du kommst in meinen Kurs, "Mathe für Fortgeschrittene".
KEVIN: Äh...Wie bitte?
MR. COLLINS: Wir müssen zwar deinen ganzen Stundenplan auf den Kopf stellen, aber das kriegen wir hin. Es ist ein sehr anspruchsvoller Kurs, aber nach deinen Leistungen hier zu urteilen glaube ich, daß du dem gewachsen bist. Wie siehst du das?
KEVIN: Äh...Hört sich witzig an.
MR. COLLINS: Gut. Du fängst gleich morgen an.
INT. TAG. MATHERAUM
(Kevins erster Tag im Kurs für Fortgeschrittene. Auch hier scheint sich Mr. Collins' Unterrichtsstil nicht von dem im normalen Matheunterricht zu unterscheiden.)
So, da hatten wir den Salat. Ich saß ohne Rechenschieber in der sprichwörtlichen Tinte.
MR. COLLINS: ...d durch a gleich c und c durch a gleich b...
PAUL (begeistert; zu Kevin): Das wird umwerfend, sag ich dir.
KEVIN (gar nicht begeistert): Ja.
Ja. "Umwerfend" war das richtige Wort.
MR. COLLINS: ...um den Nenner zu entfernen suchen wir den kleinsten gemeinsamen Nenner, indem wir beide Seiten der Gleichung mit 5x mal x-3 multiplizieren. Als Ergebnis erhalten wir 5-x...
Ich war ein Fremder in einem fremden Land.
MR. COLLINS: ...An dieser Stelle kommt eins der Wurzelgesetze zum Tragen: Die Summe aller Wurzeln in einer Gleichung ist gleich dem Koeffizienten des linearen Gliedes mit entgegengesetztem Vorzeichen.
KEVIN: Was hat er gerade gesagt?
SCHÜLERIN: Die Summe aller Wurzeln in einer Gleichung ist gleich dem Koeffizienten des linearen Gliedes mit entgegengesetztem Vorzeichen.
KEVIN: Ja. Genau das hab ich auch verstanden.
MR. COLLINS: ...Alles klar? Wer kann die Gleichung lösen?
Äh, Albert Einstein? Isaac Newton?
MR. COLLINS: Kevin Arnold?
KEVIN: Äh...äh...äh...
MR. COLLINS (zu den anderen Schülern, die sich melden): Laßt die Hände unten! Mr. Arnold?
Ich saß in der Falle.
KEVIN: Könnten Sie die Frage wiederholen?
MR. COLLINS: 37, 216, 12, 12.
KEVIN (beinah panisch): Was?
MR. COLLINS: 63, 44, 1507.
KEVIN: Was erzählt er da bloß?
SCHÜLERIN: 4210, 97.
KEVIN: Was?
SCHÜLERIN (verliert langsam die Geduld): 586, 19.
KEVIN: Ich versteh nicht, was du sagst!
(Die ganze Klasse redet durcheinander, aber sie alle scheinen nur Zahlen aufzuzählen.)
KEVIN (panisch): Ich versteh gar nichts! (sieht sich angsterfüllt um) Hört auf! Bitte nicht! (die Klasse hört nicht auf; schreit) NEIN!
(Plötzlich hat Kevin eine Illusion (in Schwarz-Weiß): Paul scheint Rod Serling zu sein, der vor seiner Tafel steht und die nächste Folge von "Twilight Zone" einleitet.)
PAUL: Man stelle sich folgendes vor: Ein armer Schüler im finsteren Schreckensreich der Algebra. Er sucht einen einfachen Weg dort raus, aber irgendwie geht seine Rechnung nicht auf. Gehen wir davon aus, daß x eine Unbekannte ist und y eine irrationale Zahl. Wenn sechs schwarze Männer in einen Zug steigen und hundert Meilen pro Stunde fahren, wie oft halten sie an bis zu ihrem Ziel, der "Twilight Zone"?
INT. TAG. SCHULKORRIDOR (?)
Also, eins hatte ich in "Mathe für Fortgeschrittene" gelernt: Ich wußte jetzt, daß ich scheitern würde. Vielleicht noch nicht heute, vielleicht noch nicht morgen, aber bald - und dann für den Rest meines Lebens.
SCHÜLER #1: McCormick, hier geblieben!
McCORMICK: Hey, Jungs!
SCHÜLER #1 (wütend): Hey McCormick, ich hab ein Problem!
McCORMICK: Na und, Mann? Ich hab meine eigenen Probleme. Was willst du damit sagen? Hast du es noch nicht gehört?
SCHÜLER #2: Wir hatten in unserer Klassenarbeit alle satte Fünfen - und das geht zu 50 Prozent in die Endzensur.
SCHÜLER #3: Das liegt an Collins, Mann. Der dreht total durch. Der hätte die Aufgaben für die Arbeit aus dem Buch nehmen müssen, wie bei den Tests. Er weiß nicht, was er tut.
Vielleicht. Aber plötzlich fing ich an, mir Fragen zu stellen...
SCHÜLER #4: Du bist erledigt, Eddie!
McCORMICK: Kommt Jungs...
SCHÜLER #4: Moment mal, Freundchen. Wir sind noch nicht mit dir fertig.
INT. TAG. BAD
(Kevin steht nachdenklich vor dem Spiegel.)
...Fragen über viele Dinge. Mir wurde langsam klar, daß, wenn ich weitergemacht hätte, meine Drei durch die Notendurchschnittskurve zu einer Zwei geworden wäre. Einer echten Zwei, einer, die ich wirklich verdient hätte. Es war schon komisch: McCormick und die anderen hatten ihren Preis bezahlen müssen, nur ich wurde nicht bestraft - außer durch mein schlechtes Gewissen, das mir aus dem Spiegel entgegenstarrte.
INT. TAG. MATHERAUM
(Kevin sitzt an seinem Platz und sieht nach vorn zu Mr. Collins, der am Lehrertisch sitzt und in seine Arbeit vertieft ist.)
Das würde nicht leicht werden.
(Kevin geht nach vorne zum Lehrertisch und zögert kurz.)
KEVIN (kleinlaut): Mr. Collins?
MR. COLLINS: Hast du nun genug?
KEVIN: Aber...
MR. COLLINS: Jedes Problem beinhaltet seine eigene Lösung, das weißt du doch.
INT. TAG. KLASSENRAUM
(Kevin ist wieder im normalen Matheunterricht - und darf gleich wieder einen Test schreiben.)
MR. COLLINS: So, jetzt geht zu euren Plätzen und setzt euch hin.
Da waren sie wieder: Die langen Stunden harter Arbeit und die ehrlichen Dreien. Und das war gut so.
MR. COLLINS: So, bitte. Fangt an.
Warum Collins mich verschont hatte, konnte ich nur raten. Aber der Mann hatte ja gesagt: Jedes Problem beinhaltet seine eigene Lösung.
MR. COLLINS: Mr. Arnold? Hast du eine Frage?
KEVIN: Ähm, nein. Nein.
Ich glaube, er wollte, daß ich dieses Problem hier...alleine löse.
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08/15/01 19:35