
Folge 105: Liebe geht durch den Wagen
Transcript: Daniel G.

OPENING TITLES
MANN #1 ("Ralph Kramden"): [im TV; wütend brüllend] Damit du Bescheid weißt: So benehm ich mich auf gar keinen Fall !
FRAU #1 ("Alice Kramden"): Doch, das tust du wohl, mein Lieber ! Und ob du dich so benimmst !
Es hat zu allen Zeiten ziemlich widerliche Pärchen gegeben ! Pärchen, die sich ständig zanken ...
[Szenenwechsel: Ein zweiter Mann klatscht einer zweiten Frau, die neben ihm am Tisch sitzt, eine kleine Torte ins Gesicht.]
... Pärchen, die Kommunikationsschwierigkeiten haben ...
[Szenenwechsel: King Kong blickt hinter einem Wald hervor und lächelt eine Frau an, die an zwei Pfälen angebunden ist und hysterisch schreit.]
Aber niemals hatte es in der Geschichte von Mann und Frau ein Pärchen gegeben, daß noch grauenvoller war, noch entsetzlicher als ...
FRANKENSTEIN'S MONSTER: [freundlich, etwas dämlich] Freund ?
[Die Frau schreit weiter hysterisch.]
INT. TAG. PARTY
(Eine Party mit leiser, ruhiger Tanzmusik. Einige Pärchen tanzen auch, nur ALICE und CHUCK stehen mitten auf der Tanzfläche und streiten sich.)
CHUCK: Ich kapier nicht, was ich getan haben soll !
ALICE: [schreit] Du weißt ganz genau, was du getan hast !
... Alice Pedermeier und Chuck Coleman !
[Alice und Chuck streiten im Hintergrund weiter.]
CHUCK: Aber nein ! Das weiß ich überhaupt nicht !
ALICE: Das weißt du wohl !
CHUCK: Weiß ich nicht ! Du hattest Durst und ich hab dir einen Punsch geholt ! Du kannst mich ja erschießen !
ALICE: [verheult] Du weißt genau, daß ich lieber Ginger Ale trinke !
CHUCK: Ich habe mich geirrt !
ALICE: Siehst du ! Du weißt gar nichts über mich !
CHUCK: Ich weiß einfach alles über dich !
ALICE: [schließt die Augen; ruhiger, aber immernoch wütend] Welche Farbe haben meine Augen ?
CHUCK: Ähm ... [zögert]
Sie hatten innerhalb von drei Monaten 27 Mal Schluß gemacht - [anerkennend] ein Klassenrekord !
CHUCK: Ähm ... Grau ! [keine Reaktion] Grün ! Äääh - graugrün !
[Alice öffnet ihre Augen]
CHUCK: Braun !
ALICE: [weinend] Das ist recht, Chuck !
[eilig] Äh, ich korrigiere: 28 Mal !
[Alice rennt davon. Die Kamera schwenkt zu Paul und Jeff, die mit dem Rücken zur Kamera auf drehbaren Barhockern sitzen. Als Alice davonrennt, drehen sich sich beide gleichzeitig, beide mit ihren Drinks in der Hand, um und beobachten Chuck, der einsam mitten auf der Tanzfläche stehenbleibt.]
JEFF: Sollten wir nicht irgendwas machen ?
PAUL: Nein.
JEFF: Sieh dir den Jungen bloß mal an ! Ich seh doch, daß er uns braucht.
PAUL: [zögert kurz, dann sicher] Nein.
In solchen Situationen gab es eine eiserne Regel:
JEFF: Wir können ihn nicht einfach da stehenlassen, Mann !
PAUL: Doch.
[Sie drehen sich wieder zur Bar um und trinken ihre Cocktails.]
Misch dich nie, niemals in anderer Leute Liebesbeziehungen ein !
[Alice kommt zurück.]
ALICE: [zu Chuch] Mausi ? Sie spielen unser Lied !
CHUCK: Ich weiß. [theatralisch] Ich bin bereit - Braunäuglein !
Es war eine bewährte, anerkannte Theorie. Laß die Finger davon - und alles wird gut.
ALICE: Tut mir leid, Mausi.
EXT. ABEND. STRASSE
(Winnie und Kevin stehen in der Dunkelheit vor der aufgeklappten Motorhaube von Kevins Oldsmobile, das mit rauchendem Motor am Straßenrand steht.)
Diese Theorie traf nicht auf mein Auto zu !
KEVIN: Hast du den Schraubenschlüssel ?
WINNIE: Ja, hier. [reicht ihn ihm]
Während sich in jenem Winter alle anderen auf Partys amüsierten, machten Winnie und ich ...
WINNIE: [hilfsbereit] Vielleicht der Zündverteiler ...
... eine Lehre als Automechaniker.
KEVIN: Wieso gerade der ?
WINNIE: Das letzte Mal lag's daran.
Ich hatte das Auto von meinem Großvater für einen Dollar gekauft - und langsam bekam ich das Gefühl, daß er mich über's Ohr gehauen hatte !
KEVIN: Ich hasse dieses Auto ! Ich hasse es !
[er tritt gegen die Stoßstange - die mit einem lauten Knall zu Boden fällt.]
Seien wir ehrlich: In der Highschool machen Autos Leute ! Und meins war eine erbärmliche Kiste !
INT. MITTAG. CAFETERIA
(Kevin und Jeff stehen mit Tabletts an der Essenausgabe und nehmen ihre Teller entgegen.)
JEFF: Vielleicht solltest du mal zu 'ner Werkstatt gehen.
KEVIN: Da war ich schon längst.
JEFF: Und was sagen sie ?
KEVIN: [trocken] Keine Ahnung. Der Mechaniker ... hat so gelacht, daß ich ihn nicht verstanden hab.
JEFF: Ich weiß gar nicht, wo das Problem liegt - du brauchst nur 'ne neue Karosserie, 'ne neue Bereifung und ... einen neuen Motor ... [grinst]
[beleidigt] Klugscheißer !
[Etwas später: Kevin und Jeff sitzen sich gegenüber am Tisch - und neben ihnen sitzen sich Alice und Chuck ebenfalls gegenüber und essen solange an einer Spaghetti, bis sich ihre Lippen berühren.]
Eigentlich war ich schon gestraft genug, aber zu allem Überfluß mußte ich mir auch noch Susi und Strolch ansehen !
[Alice und Chuck küssen sich und lachen.]
KEVIN: [angewidert] Das ist wirklich eklig ! Leute, ihr habt gerade auf einen Schlag zehn Hygieneregeln gebrochen !
CHUCK: Sagt mal, was hat der denn ?
JEFF: [trocken] Ärger mit dem fahrbaren Untersatz. Sein Wagen ist 'n Schrotthaufen !
KEVIN: [ärgerlich] Er ist kein Schrotthaufen ! [ruhiger] Er ist nur ... noch nicht repariert.
ALICE: Wieso kaufst du dir keinen neuen Wagen ?
KEVIN: Soll das ein Witz sein ? Ich kann mir keinen neuen leisten !
Und da schlug das Schicksal zu !
ALICE: Vielleicht hilft mein Dad dir weiter.
KEVIN: Wer ist das ?
ALICE: Pistolen-Pete Pedermeir - der Gebrauchtwagencowboy !
KEVIN: Ach, das wußt ich gar nicht !
Es war plötzlich, als säße man mit einem Star am Tisch !
KEVIN: Glaubst du, er könnte was für mich tun ?
ALICE: [zustimmend] Mmh.
CHUCK: Ich lach mich tot ! Pistolen-Pete Pedermeir soll etwas für andere tun ?!
ALICE: [wütend; schreit] Was soll denn das schon wieder bedeuten ?
CHUCK: [schluckt] Gar nichts. Ich hab nur gesagt, daß er Gebrauchtwagen verkauft.
ALICE: Und was macht dein Vater ?
CHUCK: Mein Vater hat 'ne Trockenreinigung.
ALICE: Ja ? Mein Vater ist ein Stützpfeiler der Gemeinschaft !
KEVIN: Leute !
Ich wollte gern beim Thema bleiben.
ALICE: [beruhigt sich] Er bietet dir sicher ein gutes Geschäft an. Willst du heute nach der Schule zu ihm gehen ?
Gut. Vermutlich hätte ich es besser wissen sollen !
KEVIN: Mmh. Vielleicht gehen wir hin ... und sehen kurz rein.
Aber es war einen Versuch wert ! Immerhin war es Alice' Vater, zu dem ich ging - ein Stützpfeiler der Gemeinschaft ...
CHUCK: [raunt] Halt nur deine Brieftasche gut fest !
INT. NACHMITTAG. VERKAUFSFLÄCHE
(Alice, Chuck und Kevin beobachten Alice' Vater, Pistolen-Pete Pedermeir, der gerade einem jungen Kunden einen Wagen andreht. Er redet dazu in einem lauten, übertrieben freundlichen, kameradschaftlichen Ton ein, lächelt, klopft ihm aufmunternd auf die Schultern usw.)
PETE: [im Verkaufston] Also, Partner: Was schöne Autos und Leute angeht - da kenn ich mich aus ! Und das ist das Auto für Sie !
... - oder aber ein Großstadtcowboy.
KUNDE: [unentschlossen, schüchtern, zurückhaltend] Aber ich weiß nicht genau ...
PETE: Was soll da schiefgehen ? Kaufen Sie schon - das ist Ihre Chance !
KUNDE: Na ja, wie gesagt ...
PETE: Ich gebe Ihnen noch eine Minute, Partner - dann bin ich weg.
[beginnt, sich langsam umzudrehen]
KUNDE: Wissen Sie, ähm ...
PETE: Ich bin schon unterwegs ...
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KUNDE: Pete ...
PETE: Ich bin so gut wie weg ... [dreht sich weiter]
KUNDE: [ruft eiligst] Ich nehm es !
[Pete dreht sich ruckartig wieder zu ihm um.]
PETE: Herzlichen Glückwunsch, Partner !
[klopft ihm etwas kräftig auf den Arm; ruhiger]
PETE: Und jetzt gehen Sie zu meinem Verkäufer rüber, der macht alles weitere für Sie.
KUNDE: Okay. [geht]
ALICE: [ruft] Daddy !
PETE: [kommt näher] Oh, hallo, du kleiner Engel ! Das ist aber eine schöne Überraschung.
[Alice stößt Chuck den Ellenbogen in die Rippen.]
CHUCK: Äh, hi Pete.
PETE: [argwöhnisch] Wer bist denn du ?
CHUCK: [überrascht] Ich bin Chuck. Chuck ! Chuck Coleman !
PETE: [nicht erfreut] Oh. Richtig.
ALICE: Und das ist Kevin Arnold.
[Kevin tritt einen Schritt vor und hält Pete seine Hand an.]
KEVIN: Hallo Sir !
[ein leichter Händedruck]
ALICE: Er sucht ein neues Auto.
PETE: Oh !
[im Verkaufston; mit festem Händedruck]
PETE: Hallöchen Partner ! Da bist du zur richtigen Ranch gekommen !
ALICE: Daddy !
PETE: [kurzes Zögern; normaler, freundlicher Tonfall] Entschuldige. [zu Kevin] Welchen Preis hast du dir denn so vorgestellt ?
KEVIN: [langsam] Also, ich hatte eigentlich gehofft, daß Sie ihn vielleicht ... na ja, eintauschen würden.
PETE: So - eintauschen ?! Wenn das so ist: Was hast du denn einzutauschen ?
KEVIN: Einen Olds. [lächelt; zeigt aus dem Fenster] Denn da vorne.
[Das Oldsmobile, mit dem chinesischen Drachen, der über die Türen gemalt ist, steht am Straßenrand vor dem Geschäft. Pete sieht hinaus - gerade rechtzeitig, um den rechten Teil der vorderen Stoßstange zu Boden fallen zu sehen. Insgesamt macht Kevins Wagen einen ziemlich erbärmlichen Eindruck.]
PETE: [deprimiert] Ach so ist das. Mmh.
KEVIN: [leise; zu Chuck] Ich wußte es vorher !
ALICE: [flehend] Daddy ! Na ja, ich hab Kevin ein gutes Angebot versprochen. Bitte, Daddy !
PETE: Weißt du, Herzchen ...
[Alice blickt ihn mit Rehaugen flehend an und wiegt sich langsam, bettelnd von einer Seite zur anderen.]
Aber ich glaube, selbst ein Gebrauchtwagenkönig kann den flehenden Blicken seiner Tochter nicht widerstehen.
PETE: Okay. [zu Kevin] Am besten, du kommst morgen ! Wir kriegen nämlich heute noch 'ne Lieferung.
Bingo !
KEVIN: [überrascht] Wirklich ?
PETE: Natürlich, Kevin ! Alice' Freunde sind schließlich auch meine Freunde ! [umarmt sie]
Und damit sah es so aus, als würde es doch noch ein Happy End geben.
INT. NACHMITTAG. KEVINS AUTO
(Kevin fährt langsam, während Chuck auf dem Beifahrersitz und Alice zwischen ihnen sitzt. Und wie immer streiten sich die beiden.)
ALICE: [wütend] Ich hab dir ganz billig ein Auto besorgt !
CHUCK: Das einzige, was billiger war, waren die dusseligen Fußmatten !
ALICE: Diese Fußmatten waren Spitzenqualität !
CHUCK: Sie sind inzwischen zerfallen !
ALICE: Ja ! Weil du mit sowas nicht umgehen kannst !
CHUCK: Ich werd ja wohl noch meine Füße draufstellen dürfen !
Es war, als sei man in einem Werbespot für Migränetabletten gefangen !
CHUCK: Das ist Salatöl ! Salatöl kriegst du nicht raus !
KEVIN: [entnervt] Leute ! Könnt ihr euch nur streiten, sonst nichts ?
[Alice und Chuck blicken ihn verwundert an.]
CHUCK: [verwirrt] Wie meinst du das ?
[Kevin blickt die beiden an und zögert kurz.]
KEVIN: [winkt ab] Nicht so wichtig.
Bitte - wenn sie sich zanken wollten, war das ihr Bier. Was mich anging - ich hatte wichtigere Dinge im Kopf.
INT. VORMITTAG. SCHULKORRIDOR
(Es klingelt. Hunderte Schüler stürmen aus den Klassenräumen in die Korridore. Kevin ist einer von ihnen.)
Am nächsten Morgen wollte ich gleich die frohe Kunde von meinem Glück verbreiten. [lacht selbstzufrieden] Winnie würde vor Freude ausflippen, wenn Sie hören würde, daß ...
[Chuck nähert sich Kevin.]
CHUCK: Kev !
KEVIN: [überrascht] Chuck !
CHUCK: Hast du kurz Zeit ? Wir sollten uns unterhalten !
KEVIN: Aber ...
[Chuck zieht ihn durch die nächste Tür - auf die Jungentoilette.]
KEVIN: Chuck ! Was ist denn ?
CHUCK: Sie hat Schluß gemacht.
[In der Nähe ertönt das Geräusch der Spülung.]
KEVIN: Was ?
CHUCK: Sie hat Schluß gemacht ! Alice !
KEVIN: Wieso denn ?
CHUCK: Woher soll ich das wissen ? Sie sagt, sie ... [gekränkt] sie hätte einen Besseren verdient. Kannst du dir das vorstellen ?
KEVIN: Na ja ...
CHUCK: Sie sagt, ich soll nie wieder versuchen, mit ihr zu reden ! Das mir !
[Theatralische Streichermusik ertönt.]
CHUCK: Bin ich vielleicht kein Mensch ? Und hab ich kein Herz ?
Irgendwie war das tragisch.
KEVIN: Tja ... Schade. Chuck, es tut mir wirklich leid ! Das ist ... saublöd.
CHUCK: Ja. Und es nur deine Schuld !
KEVIN: [entgeistert] Meine ?!
CHUCK: Ja ! Wären wir nicht losgefahren, um ein Auto für dich zu suchen, dann hätten wir uns gar nicht erst so gestritten ! Und ich hätte immernoch meine süße Freundin und wäre zufrieden und glücklich !
Eine Argumentation, wie sie nur liebeskranke Teenager zustande bringen.
KEVIN: Chuck ... wenn ich was tun kann, dann sag es ruhig.
CHUCK: Also wenn du so fragst - eins kannst du tun: Du kannst diesen Wagen vergessen !
KEVIN: Was ?
CHUCK: Jetzt mal ehrlich, Kev [lacht wütend] ... ich bitte dich ! Du kannst dich doch jetzt nicht in ein Pedermeir-Auto setzen - das siehst du doch ein ?!
KEVIN: [abwehrend] Nun komm schon, Chuck ! Jetzt mal ehrlich - das ist doch wohl ...
CHUCK: Hey ! Ihr Vater haßt mich ... sie haßt mich ... und mit diesen [verächtlich] Leuten irgendwelche Geschäfte zu machen ... wäre, als stichst du mir einen Dolch mitten durch's Herz ! Oder ?
Wie gesagt: Ich brauchte diese Kiste dringend ! Deshalb blieb mir nur eine Antwort:
KEVIN: Also, Chuck ... ich rede mit ihr und kläre das ...
CHUCK: Nein, das bringt doch nichts ! Hör auf !
KEVIN: Laß es mich versuchen, ja ?
CHUCK: Also schön. Dann versuch's !
[Kevin will gehen.]
CHUCK: [ruft hinterher] Aber das bringt nichts - du wirst sehen !
Ach ! Was verstand Chuck schon von Frauen !
INT. TAG. SCHULBIBLIOTHEK
(Kevin nähert sich Alice, die ihn nicht bemerkt.)
Vermutlich verzehrte sie sich schon förmlich nach ihm !
KEVIN: Alice ...
ALICE: [kreischt] Nein ! Ich möchte ihn nie wieder sehen ! Er ist Abschaum ! Er ist ein Schwein ! Der Typ ist das Letzte ! [lange Pause; dann gekränkt] Er ist eine Schleimkröte !
Andererseits lag der Junge vielleicht gar nicht mal so falsch.
KEVIN: Alice ... In allen Beziehungen geht's mal rauf und mal runter !
ALICE: Ja ?! Also diese Beziehung hat sich erledigt. Sie ist vorbei. Denn Bach runter. Aus. Finito. Vergangenheit. [lange Pause; ruhig] Also - wann sehen wir uns nun bei Dad die Autos an ?
KEVIN: Was ?
ALICE: Gehen wir doch gleich nach der Schule. Ich hab viel Zeit.
Ich muß zugeben, es war eine Versuchung.
KEVIN: Weißt du ... Die Sache ist die ...
CHUCK: [in Kevins Gedanken] Bin ich vielleicht kein Mensch ? Und hab ich kein Herz ?
Aber ...
KEVIN: Ich denke nicht, daß ich kann.
ALICE: [wütend, schreiend] Bitte ! Dann laß es ! [stürmt davon]
Mein neues Auto konnte ich wohl vergessen.
INT. MITTAG. CAFETERIA
(Kevin ist mit seinem Tablett auf dem Weg zu den Abfallbehältern.)
Aber vielleicht war das auch besser so. In solche Geschichten wollte man sich schließlich nicht gern reinziehen lassen.
[Winnie läuft ihm über den Weg.]
WINNIE: Wollen wir nun am Freitag zu der Fete gehen ?
KEVIN: Logisch. Aber natürlich !
WINNIE: Ich hab mir überlegt ... [vorsichtig] ob wir uns mit Leuten verabreden und zu viert hingehen.
KEVIN: Zu viert ?
WINNIE: [zustimmend] Mmh.
KEVIN: Wieso denn ?
WINNIE: Das wär bestimmt witzig ! Und wir können unser Auto stehenlassen.
KEVIN: [gekränkt] Ah ja ! [lange Pause]
WINNIE: Bis dann ! [geht]
[Kevin geht weiter und stellt sein Tablett weg.]
KEVIN: Na phantastisch !
Es war peinlich ! Erniedrigend ! Plötzlich kam es mir so vor, als würde dieses kaputte Auto mein ganzes Leben versauen ! Es war ein zwei Tonnen schwerer Klotz an meinem Bein !
[Einer der Küchengehilfen kommt zufällig in die Nähe.]
GEHILFE: Hey Kleiner ! Ist das dein Auto, daß ich in meiner Parklücke stehen sehe ?
KEVIN: [sarkastisch] Ja, mit Sicherheit !
GEHILFE: Willst du die Karre los werden ?
[zustimmend] Aha.
KEVIN: [horcht auf] Äh ... ja ! Wenn der Preis stimmt ...
GEHILFE: Gib mir einfach einen Zehner, dann denke ich darüber nach ! [lacht]
KEVIN: [verärgert] Ich lach dann nachher !
Es war nicht zu fassen ! Ich würde den Rest meines Lebens die Lachnummer bleiben, der Versager - es sei denn, ich würde etwas unternehmen ! Und zwar schnell !
[Kevin sucht noch einmal Alice auf.]
KEVIN: Ach, äh, Alice ...
ALICE: [sauer] Was ?
KEVIN: Was das Auto angeht ...
ALICE: Ja ?
Vielleicht war es ein Fehler, aber verzweifelte Zeiten verlangen nach verzweifelten Maßnahmen.
KEVIN: Alice, ich hab's mir überlegt.
ALICE: [erfreut] Hey ! Klasse !
KEVIN: Also - seh ich dich nach der Schule ?
ALICE: [glücklich] Klar !
Und damit waren meine Probleme gelöst !
[Kevin dreht sich um und erblickt Chuck.]
Oder vielleicht fingen sie auch gerade erst an.
INT. NACHMITTAG. VERKAUFSFLÄCHE
(Im Fernsehen läuft gerade Pete Pedermeirs Werbesport. Er steht im Cowboykostüm for dem Zaun seines Ausstellungsparkplatzes. Im Hintergrund läuft entsprechende Countrymusik.)
PETE: Mach dich auf den Weg zu Pedermeirs Autoland, Partner ! Schieß dir die preiswertesten Gebrauchtwagen der ganzen Stadt !
[Pete versucht ein Cowboyjauchzen, sieht mit beiden Händen Pistolen aus den Taschen an beiden Hosenbeinen und feuert bei nacheinander ab. Die erste knackt nur einmal, die zweite geht richtig los.]
[Alice, Pete und Kevin stehen vor dem Fernseher, der ihm Hintergrund den Rest des Werbespots zeigt.]
ALICE: [begeistert] Das war phantastisch, Daddy ! Oder, Kevin ?
KEVIN: [zögert] Äh ... [heuchelt Begeisterung] Ja, natürlich ! Es ist klasse !
Am Nachmittag steckte ich bis über beide Ohren in der Sache drin.
KEVIN: [zögernd] Also, Mr. Pedermeir, was das Auto angeht ...
PETE: Bitte Söhnchen, nenn mich Pete ! Ein toller Kerl ist das, Alice ! Dieser andere Typ hat mich ganz nervös gemacht - all das Gezucke und Gezittere !
[zuckt mit Augen und Mund, so wie Chuck es unaufhörlich tut; zu Kevin]
PETE: Gut, komm mit, mein Sohn !
[Sie gehen zu dritt auf den Parkplatz.]
PETE: Jetzt sieh dir dieses Auto an !
[zeigt auf ein Auto, das noch nicht zu sehen ist]
ALICE: Komm, Kevin !
Je mehr ich mir einredete, daß ich das Richtige tat, desto mehr wußte ich, daß das nicht stimmte.
PETE: So. Es steht gleich hier vorne.
Immerhin war das Chucks Freundin !
KEVIN: [unsicher] Alice, sollten wir das wirklich tun ?
ALICE: Ich weiß nicht, was du meinst.
KEVIN: Weißt du, na ja ...
PETE: [stolz] Da steht das gute Stück !
[Kevin blickt unsicher nach vorne - und sieht ein knallrotes, sportliches Cabriolet, das ihn anfunkelt. Kevin sieht es staunend an, als ob es ein neues Weltwunder wäre.]
KOMMENTATOR: [voice-over; dazu Geräusche stehender, ab schon Gas gebender Rennwagen] Gentleman ! Starten Sie Ihre Motoren !
PETE: Vier Zylinder, 55 muntere Pferdchen, Null auf Hundert innerhalb eines Häuserblocks !
ALICE: [hingerissen] Ist er nicht wunderwunderschön ?
Na ja, ich wollte etwas über Chuck sagen, aber ... alles was ich rausbrachte war:
KEVIN: Ich - ich liebe ihn !
Und zehn Minuten später saß ich auf dem Fahrersitz.
[Im Hintergrund unterhalten sich zwei Männer über einen anderen Wagen, während Kevin inzwischen auf dem Fahrersitz sitzt und Pete seine Tochter umarmend neben der Beifahrertür steht.]
PETE: Der ist wirklich was Besonderes, oder ?
KEVIN: Oh ja, allerdings !
PETE: Dann fahr doch einfach mal 'ne Runde spazieren. Sieh, wie er sich fährt !
Ich konnte mir schon vorstellen, wie ich mit Winnie spazierenfuhr, wie der Wind durch ihr Haar strich - nur wir beide !
ALICE: [freudig rufend] Fahren wir los ! [lacht]
Oder ... wir drei.
KEVIN: Oh. [zögert lange] Weißt du, äh, nun ja ... Ich dachte nur ... uhm vielleicht ... wär es gut ... wenn wenn ich die erste Runde ohne ... Beifahrer fahre ... Einfach um ein Gefühl dafür zu kriegen.
[Alice und Pete sehen ihn überrascht, und enttäuscht an.]
ALICE: Oh.
PETE: Oh.
Es müßte ein Gesetz gegen so traurige Gesichter geben.
KEVIN: Oder ... wir fahren ... beide 'ne kleine Runde in dem Wagen spazieren.
ALICE: [glücklich] Klasse !
PETE: [zufrieden] Klasse !
EXT. NACHMITTAG. STRASSE
(Kevin und Alice fahren eine eher ruhige Hauptstraße entlang. Dazu ertönt laute Musik.)
Und weg waren wir ! Schließlich hatte Alice mir ja geholfen !
ALICE: Super, wie der losgeht, nicht ?
KEVIN: Ja !
Wir waren bloß zwei Freunde ! Zwei Freunde, die eine Runde spazierenfuhren.
ALICE: Du bist ein toller Fahrer !
KEVIN: Danke !
Freunde, die die Gesellschaft des anderen genossen. Vielleicht sogar ein bißchen zu sehr.
[Alice hat ihre Hand auf Kevins Hand gelegt und sieht ihn zärtlich an.]
KEVIN: [unwohl] Weißt du, es ... es ist Zeit, daß wir wieder zurückfahren.
ALICE: Wieso hetzt du denn so schrecklich ?
KEVIN: Weil ...
ALICE: Es ist doch herrlich, so zu fahren !
Gut - vielleicht bildete ich mir das alles nur ein, aber ich mußte dringend etwas klarstellen. Ich mußte mich mit ein bißchen freundlichem Geplauder herantasten.
KEVIN: Das Auto ist was ganz Besonderes. [keine Antwort]
Aber zum Plaudern gehören immer zwei ...
ALICE: [verliebt] Du bist auch was Besonderes.
Oh Gott ! Es war schlimmer, als ich gedacht hatte ! v
KEVIN: [unsicher lächelnd] Na ja ... [eilig] Ich kenn viele, die was Besonderes sind ! Ich meine, du bist was Besonderes.
[ein freudiges Lächeln von Alice ...]
KEVIN: Und äh ...
[lange Pause, dann eilig und bestimmt]
KEVIN: Und Chuck ! Oho ! Also Chuck - der ist wirklich was besonderes !
ALICE: Chuck ist ein Wurm !
Und dann hörte ich die 25 Worte, vor denen ich mich am meisten gefürchtet hatte:
ALICE: [langsam, aber nicht unsicher] Kevin, vermutlich ist es falsch, dir das zu sagen...
Das waren die ersten neun !
ALICE: ...so etwas zuzugeben fällt mir nicht leicht ...
Das waren weitere sieben ...
ALICE: ... aber ich bin schon immer scharf auf dich gewesen !
Und damit waren die gefürchteten 25 vollzählig !
[Kevin hält (wahrscheinlich wegen einer roten Ampel).]
KEVIN: Alice ...
ALICE: Seit ich dich zum erstenmal gesehen habe - weißt du noch, du hast dir Tür vom Jungsklo aufgerissen und mich voll erwischt. Du hast mich stundenlang um Entschuldigung gebeten.
Ich hatte keinen blassen Schimmer !
KEVIN: Ich ... Und ob ich das noch weiß ! [lacht unsicher; zögernd] Es ist nur so: Es würde sicher nicht richtig funktionieren. Tja, ich meine, ich hab Winnie und ...
ALICE: Kevin ! [theatralische Pause] Wenn man verliebt ist, gibt es keine Hindernisse, die einen aufhalten !
Es gibt Zeiten, da muß man ehrlich sein, muß schonungslos die ganze Wahrheit sagen - egal wie weh es tut !
KEVIN: Also, Alice ... ganz ehrlich, ich find dich nett. Sogar sehr ... aber ...
[Etwas entfernt kommt ein zweiter Wagen angerollt, während Kevins Cabriolet noch immer steht.]
ALICE: [glücklich] Oh Kevin ! Ich bin ja so glücklich ! Ich wußte, daß du mich magst !
[fällt ihm um den Hals]
[Das zweite Auto fährt heran und hält neben der Fahrerseite des Cabriolets. Der Fahrer ist niemand anderer als Chuck, der nur einmal kurz zum Cabrio guckt und dann wieder wegblickt - nur, um noch einmal zu gucken und Alice und Kevin zu erkennen.]
Alles lief so schief, wie es nur ging ! Und dann wurde es noch schlimmer !
ALICE: Du bedeutest mir einfach alles !
[Kevin löst sich halbwegs aus Alice' Umarmung, dreht sich um - und erblickt Chuck, der ihn mit einer Mischung aus Wut und Überraschung anblickt.]
KEVIN: Ach du meine Güte !
[Sofort stößt er Alice beiseite und wendet sich an Chuck, der ihn durch das geöffnete Beifahrerfenster gut sehen und hören kann.]
KEVIN: [ruft, mit den Armen fuchtelnd] Chuck ! Alice ist mir ganz egal, glaub mir, Chuck ! [verzweifelt] Sie bedeutet mir gar nichts !
[Alice beginnt, laut zu weinen, während Chuck immernoch überrascht, wütend und grimmig anblickt.]
KEVIN: Gar nichts !
[Chuck gibt Gas und rast los.]
KEVIN: [ruft hinterher] Sie ... Sie bedeutet mir überhaupt nichts ! Chuck ! Gar nichts ! Sie ... Chuck ! ... [leiser] Gar nichts ! Chuck.
[Chuck ist längst weg, während Alice in Tränen aufgelöst ist.]
In dem Moment hatte ich nur einen Gedanken: Bloß weg ! Und zwar schnell !
[Kevin startet den Motor, der aber sofort abwürgt. Er versucht es nochmal.]
Dummerweise spielte das Auto dabei nicht mit.
[Hinter ihnen hupt ein wartendes Auto.]
KEVIN: [sauer] Ich versteh nicht, was dieser Kiste fehlt !
ALICE: [leise weinend] Es liegt am Zündverteiler !
Es war furchtbar ! Ein Abend voller zerbrochener Freundschaften, kaputter Autos und gebrochener Herzen.
EXT. ABEND. GEBRAUCHTWAGENHANDEL
(Die Straße vor Pete Pedermeirs Gebrauchtwagenhandel. Ein Abschleppfahrzeug kommt ins Bild und biegt langsam, mit dem Cabriolet im Schlepp, in die Einfahrt zum Parkplatz.)
Ich weiß nicht, was mehr weh tat: Herauszufinden, daß mein neuer Wagen eine Niete war, oder herauszufinden, daß ich eine war.
INT. TAG. SCHULKORRIDOR
(Es klingelt. Kevin biegt um eine Ecke und kommt bei den Schließfächern an. Er bleibt stehen, als er Chuck sieht, der seine Bücher in sein Fach räumt.)
Und am nächsten Tag, egal, wie gern ich es vermieden hätte, mußte ich mich dem ganzen Ärger stellen: Einem wütenden sitzengelassenen, einem verschmähten Lieberhaber, einem Freund, den ich betrogen hatte.
KEVIN: Äh ... Chuck ! [geht auf ihn zu]
CHUCK: [freundlich] Hey, Kev-Boy ! Wie sieht's aus ?
[Chuck tut nur so, als ob er gut drauf ist. An der Stimme, die einen kleinen, wütenden Unterton hat und vor allem an der Art, wie er seine Bücher in sein Fach wirft und zwängt um sie anschließend wieder herauszuholen und wiederum hineinzuwerfen, wird ganz deutlich, was er von Kevin hält. Nur, daß dieser anscheinend nichts bemerkt.]
KEVIN: [überrascht] Äh ...
CHUCK: Ein toller Tag, hä ?
KEVIN: [erleichtert] Ja !
Erstaunlich ! Für jemanden, der praktisch auf der Kippe zum Selbstmord gestanden hatte, sah dieser Junge ausgesprochen fröhlich aus !
KEVIN: Paß mal auf, Chuck ... Also, was gestern angeht ...
CHUCK: Ach ! Mach dir darüber keine Gedanken !
[seine Stimme wird wütender, seine Bewegungen heftiger]
CHUCK: Ich meine, ich verstehe es !
KEVIN: [überrascht, zufrieden] Ja, wirklich ?
CHUCK: Klar ! Alice hat mir erzählt, was los war.
KEVIN: Ach ja ?
CHUCK: Ja ! Sie hat mir erzählt, daß du, äh, gesagt hast, du seist schon ewig scharf auf sie - schon seit du sie kennst ! Und daß das Auto nur ein Vorwand war, um an sie ranzukommen ! Ich finde das eigentlich ziemlich link ! Du hättest ruhig sagen können, was du für sie empfindest, aber nein - du hast es lieber hinter meinem Rücken getan !
[versucht mehrfach mit aller Kraft, einen zu breiten Hefter in sein Fach zu pressen; wütend, gereizt, fast schon schreiend]
CHUCK: Aber ich nehm dir das nicht übel ! Jetzt mal ehrlich: Die süße Alice ist unwiderstehlich, oder ?
Da wurde mir eins klar: Wenn es um die Liebe geht, gibt es keine Wahrheit.
KEVIN: [chancenlos] Ja, richtig.
[Chuck wirft die Tür seines Schließfachs zu - und Kevin erblickt Alice, die die ganze Zeit dahinter gestanden und alles mitbekommen hat.]
ALICE: [leise, etwas ängstlich] Chuck ? Hi Mausi !
CHUCK: [zärtlich, aber noch etwas wütend] Hi !
KEVIN: [nach einer Pause; zufrieden, lächelnd] Also, dann ist ja alles wieder okay, oder nicht ?
CHUCK: [freundlich, wie selbstverständlich] Ja ! [lange Pause] Das heißt, bis auf ... auf eine Sache.
Das komische ist, daß ich tatsächlich glaubte, er wolle mir dafür danken, daß ich sie wieder zusammengeführt hatte.
[Chuck hat währenddessen Alice gegenüber eine kleine Geste mit der rechten Hand gemacht, so als ob sie noch einen Moment warten sollte. Chuck dreht sich wieder zu Kevin um, der ihn zufrieden anlächelt, was in Chucks Augen aber wohl ziemlich arrogant und überheblich aussehen muß. - Er verpaßt ihm eine rechte und sieht zufrieden zu, wie Kevin mit blutender Nase auf dem Fußboden landet und dort liegenbleibt.]
ALICE: [besorgt] Hast du dir weh getan, Mausi ?
CHUCK: Nein ! Alles bestens, Schatzilein !
ALICE: Bis dann, Kev !
[Sie gehen, einander umarmend.]
CHUCK: Wollen wir heute abend weggehen ?
ALICE: Ja, gern !
[Musik ertönt, während Kevin immernoch am Boden liegt und sich seine Nase hält.]
EXT. ABEND. STRASSE
(Winnie und Kevin stehen wieder in der Dunkelheit vor der aufgeklappten Motorhaube von Kevins Oldsmobile, das mit rauchendem Motor am selben Straßenrand steht.)
Ich habe dieses Auto nie bekommen. Pistolen-Pete hat mir mein altes zurückgegeben. Aber immerhin habe ich aus diesem Schlamassel ein paar Dinge gelernt: Wenn es um Pärchen geht, sollte man sich aus allem raushalten. Wenn es um Frauen geht - sie werden immer ein Rätsel bleiben. Und wenn es um Autos geht ...
KEVIN: Keine Sorge. Das reparier ich in einer Minute.
WINNIE: Klar.
... sollte man immer einen Schraubenschlüssel dabei haben.
[Kevin repariert weiter, während Winnie wartend und frierend neben ihm steht und ab und zu Autos anderer Jugendlicher vorbeifahren, aus denen lautes Gelächter und schadenfrohe Kommentare kommen.]
WINNIE: Ich glaube, wir verpassen die Party.
CLOSING TITLES

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09/11/06 17:50