Erfolg
oder Misserfolg?
Die
Maginotlinie wird allgemein mit einem Versagen in Verbindung gebracht. Kritiker halten sie für den Hauptgrund der erstaunlichen
militärischen Niederlage 1940. Die Befestigungen, so sagen die Kritiker, entzogen der Französischen Armee Geld und schafften
eine defensive Grundeinstellung mit der die Französische Armee zur Niederlage verdammt war.
Neuere historische Arbeiten (seit den 90er Jahren) sind anderer Ansicht. Sie argumentieren dass die
Maginot-Linie genau das tat was sie tun sollte indem sie die Deutsche Armee zwang durch Belgien anzugreifen statt über die
Deutsch-Französische Grenze nach Elsaß und Lothringen. Diese Historiker glauben der Grund für Frankreichs Niederlage lag an
der Unkenntnis der französischen Kommandeure über moderne Kriegsführung und an einem fehlerhaften Plan und nicht an der Maginotlinie.
Ein
Artikel der diesen Standpunkt zusammenfasst gibt es unter dieser Verknüpfung:
"Putting a Stop to the
Hearsay about the Maginot Line" by Col. Lalanne-Berdouticq
Wie so oft bei geschichtlichen kontroversen
liegt die Wahrheit irgendwo zwischen diesen beiden Standpunkten von denen keiner die tatsächliche Leistung der Maginotlinie
in den Kämpfen berücksichtigt. Zusätzlich erschwert wird dies durch die Tatsache, dass viele Historiker sich zu sehr auf fehlerhafte
Sekundär-Quellen verlassen denen es an objektiver Analyse der Primärquellen und der Analyse der Schlachtfelder fehlt um die
Lücken zu füllen und die Fehler zu korrigieren die bei der Geschichtsschreibung der Maginot-Linie bisher gemacht wurden.
Der Westfeldzug
Der Deutsche Feldzug im Westen basierte auf
zwei großen Operationsplänen: „Fall Gelb“ und „Fall Rot“. Fall Gelb behandelte die Zerstörung der
Alliierten Streitkräfte in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich. Fall Rot war der Stoß nach Frankreich hinein. Während
Fall Gelb vermieden die Deutschen Truppen es absichtlich einen direkten Angriff gegen die Maginot-Linie zu führen, außer in
der Nähe der Städte Sedan, Maubeuge und Lille welche auf dem Weg der Panzerformationen lagen um den Kanal zu erreichen.
Die Hauptaktion im Fall Gelb war der Angriff
der Heeresgruppe A durch Ost-Belgien und die Wälder der Ardennen. Der Vorstoß der Heeresgruppe A wurde unterstützt durch den
Angriff der Heeresgruppe B in die Niederlande und West-Belgien. Im Süden verteidigte die Heeresgruppe C die Deutsch-Französische
Grenze und band dort französische Einheiten welche in den Ardennen fehlten.
Nach dem Sieg über die alliierten Kräfte in
Belgien führte die deutsche Armee Fall Rot durch um den Rest der Französischen Armee zu zerstören und einen großen Teil Frankreichs
einzunehmen bevor die französische Regierung am 25. Juni kapitulierte.
Während des Westfeldzugs führte die Deutsche
Armee fünf Offensiven gegen die Maginotlinie durch. Einen während des Fall Gelb (10 Mai bis 4. Juni) und vier weitere während
Fall Rot (5. bis 25.Juni). Der größte Teil der Kämpfe an der Maginotlinie erfolgte also erst spät während des Feldzugs; nach
der Evakuierung der alliierten Streitkräfte in Dünkirchen (26. Mai bis 4. Juni) und dem Fall von Paris am 14. Juni. Trotzdem
war die Maginotlinie an einigen erwähnenswerten Kämpfen beteiligt.
Bis zum 19.Juni hatten die Deutschen Truppen
die Maginotlinie vom Rest Frankreichs abgeschnitten. Viele Werke blieben intakt und ergaben sich erst nach dem Waffenstillstand.