Maginot-Linie im Krieg 1939-1940

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Maginot-Linie

"War is much too serious a matter to be entrusted to the military." 
Georges Clemenceau (1841-1929), French Minister of War & Prime Minister 
 
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Blöcke 4 und 6 des Werkes Simserhof in der Umgebung von Bitche im Nord-Elsass

Hintergrund
 
Die Maginot-Linie welche nach dem französischen Verteidigungsminister André Maginot benannt wurde, war eine Reihe von Festungen, die errichtet wurden, um die Grenzen Frankreichs mit Deutschland und Italien zu schützen. Historiker und Autoren weichen in der Interpretation ab was mit dem Namen „Maginot-Linie“ eigentlich gemeint ist.

Die Bezeichnung beschreibt manchmal die ganze Grenzverteidigung Frankreichs welche vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde oder  nur die großen und komplizierten Werke („ouvrages“ auf französisch) die Deutschland und Italien wirklich gegenüberstanden. Diese unterschiedlichen Deutungen resultieren aus der Weise, in der sich die Maginot-Linie während seiner Planung und Baus entwickelte, und der abschließenden Form, die durch die zahlreichen Verstärkungsbauten entstand. Diese wich erheblich von der ursprünglich Planung ab. Die Autoren dieser Website teilen die Ansicht, dass die Maginot-Linie die gesamte französische Grenzverteidigung umfasst.

Geplant in den 1920er Jahren und in den 30er Jahren erbaut, war die Maginot-Linie ein direktes Resultat der Erfahrung Frankreichs im Ersten Weltkrieg. Der Zweck der Linie war es eine Invasion solange aufzuhalten bis die französische Armee völlig mobilisiert wäre um dann als Basis für eine Gegenoffensive zu dienen.

Struktur der Maginotlinie

 

Die Maginotlinie war eine Festungslinie, was bedeutet es handelte sich um eine Reihe von Forts welche in einer ununterbrochenen Reihe erbaut wurden. Diese Forts waren in Abhängigkeit vom Gelände etwa 15km voneinander entfernt. Zwischen den Forts waren Kasematten erbaut worden welche die Verteidigung der Forts ergänzten. Die Forts und Kasematten wurden verbunden durch ein Panzerabwehr- und Drahthindernis. Zusammengefasst bildeten die Forts, Kasematten und der Hindernisgürtel die eigentliche Befestigungslinie welche das Rückgrat der ganzen Maginotlinie darstellte. Diese Linie verlief parallel zur Grenze etwa 10km innerhalb Frankreichs.

 

Obwohl die Maginot-Linie ein System  linearer Verteidigung darstellte war die Tiefe dieser Linie (von der Grenze bis zu den Versorgungseinrichtungen) zwischen 20 und 25 Kilometern tief. Eine Vielzahl von Befestigungen, Vorposten, Sperren an den Hauptstrassen, Unterstände für lokale Infanteriereserven erweiterten die Maginotlinie in eine Befestigungszone mit den Werken und Kasematten als Mittelpunkt.

 

Keine zwei Befestigungen der Maginotlinie waren exakt gleich. Die verschiedenen Elemente wurden an das Gelände angepasst und so kombiniert wie es nötig war um eine Verteidigungszone zu bilden.  Wichtigste Elemente der Linie waren:

 

1.  Forts oder Werke („ouvrages“). Das wichtigste Verteidigungsmittel der Maginotlinie war das „ouvrage“ (wörtlich übersetzt ein „Werk“) oder Fort. Davon gab es zwei Basistypen – grosse Werke (gros ouvrages) und kleine Werke („petit ouvrages“). Die großen Werke waren zwei- bis dreimal größer als die kleinen Werke und wurden auch als Artilleriewerke bezeichnet da sie mit 7,5cm und 13,5cm Haubitzen ausgestattet waren. Kleine Werke wurden als Infanteriewerke bezeichnet da sie nur mit Infanteriewaffen bestückt waren wie 3,7cm oder 4,7cm Panzerabwehrkanonen und 8,1cm Granatwerfer. Die Forts hatten normalerweise mehrere Kampfblöcke und Eingänge die durch ein Netzwerk unterirdischer Tunnel miteinander verbunden waren. Diese Kampfblöcke und die unterirdischen Tunnel oder Galerien enthielten die Infrastruktur die nötig war um die Waffensysteme und die Mannschaften zu unterhalten, also Kommandostände, Kraftstationen, Ventilation, Mannschaftsunterkünfte, Küchen, Munitionsdepots und Werkstätten. Die Besatzung eines kleinen Werkes bestand aus 100 bis 200soldaten währen ein großes Werk 500 bis 1000 oder noch mehr Soldaten aufnahm.

 

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Kleines Werk Bois-du-Four

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Fort Rochonvillers: Munitionseingang

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Block 2 des Werkes Kobenbusch: Infanterie-Kampfbunker

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Fort Simserhof: Hauptgallerie mit elektrisch betriebenem Zug

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Fort Simserhof: Hauptmaschinenraum

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Fort Simserhof: Kommandozentrale

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Fort Simserhof: Hauptgallerie mit elektrisch betriebenem Zug

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Block 8 des Werkes Metrich: 7,5cm Zwillings-Kanonenturm

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Block 5 des Werkes Hackenberg: Artilleriekasematte mit drei 7,5cm Kanonen

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Block 2 des Werkes Hackenberg: 7,5cm Zwillings-Kanonenturm

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Block 2 des Werkes Hackenberg: 7,5cm Zwillings-Kanonenturm

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Block 3 des kleinen Werkes Bovenberg

2.  Intervallkasematten. Kasematten gab es in mehreren Varianten aber in der Regel waren es Bauten aus Stahlbeton mit zwei Etagen. Die unterste Etage lag unter der Erde und enthielt die Versorgungseinrichtungen (Stromgeneratoren, Munitionslager, Truppenunterkünfte). Die obere Etage war ebenerdig. Sie enthielt mehrere Kampfräume bewaffnet mit Zwillings 7,5mm Maschinengewehren und 3,7cm oder 4,7cm Panzerabwehrkanonen. Kasematten hatten typischerweise eine oder mehrere bewaffneter Panzerkuppeln zur Beobachtung und Verteidigung. die Besatzung bestand aus etwa 20 bis 30 Mann.

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Kasematte Grand Lot

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Kasematte Koenigsmaker Sud

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Kasematte Sinnersberg Est

3.  Beobachtungsbunker und Unterstände. Beobachtungsbunker waren speziell für diesen Zweck erbaute Kasematten aus Stahlbeton die besonderen Optiken und Artilleriebeobachter enthielten die feindliche Kräfte entdecken und das Artilleriefeuer der nahe gelegen Forts leiten sollten. Beobachtungsbunker lagen auf Hügeln in der Nähe von Artilleriewerken. Hinter der eigentlichen Festungslinie lagen Stahlbetonbunker für eine ganze Infanterie-Kompanie von 200 bis 250 Soldaten. Einige dieser Großunterstände dienten als Kommandoposten für die Infanterie der Zwischenräume der Kasematten und Werke.

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Abri (Großunterstand) d´Ising

4.  Hindernisgürtel. Forts und Intervallkasematten wurden durch Panzerhindernisse und dichte Drahthindernisse verbunden. Die Panzerhindernisse waren entweder Reihen von Eisenbahnschienen (bis zu 6 Reihen) vertikal in den Bodenversenkt oder breite Panzergräben. Panzerhindernisse blockierten auch alle Strassen durch die Festungszone. Das Panzerhindernis war verbunden mit einem dichten Gürtel aus Drahthindernissen. Zusammen liefen diese Hindernisse die ganze Länge der Linie entlang, unterbrochen nur von ohnehin unpassierbaren Stellen.

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Panzerhindernis

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Panzerhindernis nahe Werk Schiesseck

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Drahthindernis

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Panzergraben im Saar-Abschnitt

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Panzergraben im Saar-Abschnitt

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Panzersperren zum Blockieren einer Straße

5.  Feldbefestigungen. nachdem der bau der Hauptwerke der Maginotlinie beendet war und die französische Armee die Werke besetzt hatte bauten Soldaten und Pioniere weitere Betonbunker um die Festungslinie zu ergänzen. Diese Feldbefestigungen kamen in einer Vielzahl von bauformen vor und waren von sehr unterschiedlicher Qualität. In den Ausschnitten in denen keine Forts oder Intervallkasematten erbaut wurden waren die Feldbefestigungen die eigentlichen Verteidigungsbauten und waren im Allgemeinen nur zur lokalen Verteidigung geeignet.

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Bunker nahe Lille

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Bunker im Saar-Abschnitt

Für eine Beschreibung und aktuelle Photos der bauten der maginotlinie sei hier auf den Wikipedia-Eintrag zur Maginotlinie verwiesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Maginotlinie

 

Maginotlinie in Zahlen

 

Forts                                22

Kleine Werke                    36

Kasematten                     311

Großunterstände               78

Beobachtungsbunker         14

Bunker aller Art ca.        4000

 

Bau der Linie

 

Die Hauptbauphase lag zwischen 1930 und 1936 als die wichtigsten Werke gebaut wurden. Danach wurde die Linie immer weiter ausgebaut bis zum deutschen Angriff im Mai 1940. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wurden einige Werke nur reduziert erbaut während viele Kasematten und andere Bauwerke nie fertig wurden. Ihnen fehlten noch immer Waffen oder Panzerkuppeln. Als Ergebnis waren die Forts und Kasematten welche für den Kampf 1940 zur Verfügung standen in Zahl und Ausstattung schlechter als das was im ursprünglichen Plan vorgesehen war.

 

Die Maginot-Linie im Norden und Nordosten wurde in drei unterscheidbaren Phasen erbaut:

 

1.  1930-1936. Bau der Befestigungen in den beiden Gebieten die durch eine Deutsche Invasion am stärksten gefährdet waren. Diese wurden zu den beiden Festungsregionen Metz und Lauter manchmal auch Maginot Line Proper oder Ancien fronts (alte Fronten) genannt. Die RF Metz schützte die Industrie und Minenanlagen um Metz und die wichtigsten Bahnverbindungen Lothringens. RF Lauter schütze den Nordelsass von der Saar bis an den Rhein. Diese Abschnitte der Maginotlinie waren die Stärksten.

 

2.  1936-1939 Nach der deutschen Wiederbesetzung des Rheinlandes wurde die RF Metz nach Westen bis Montmedy und die RF Lauter bis an die Saar erweitert. diese Teile der Linie wurden bekannt als die verlängerte Maginotlinie oder die Neuen Fronten (Nouveaux fronts). Befestigungen wurden auch erbaut in dem unbefestigten Teil der Saar zwischen RF Metz und Lauter sowie bei Lille – Maubeuge entlang der Haupteinmarschrouten durch Belgien. Schließlich wurden auch noch die Befestigungen entlang des Rheins erbaut.

 

3.  1939-1940 sowie die Französische Armee die Maginotlinie besetzt hatte begannen die Truppen mit dem Bau von Feldbefestigungen entlang der Grenze um die Werke zu verstärken und Lücken zu schließen.

 

Der Kampfeinsatz

 

Die Werke der Maginotlinie sollten nicht auf sich alleine gestellt kämpfen. Nicht nur waren die Werke und Kasematten auf eine gegenseitige Unterstützung eingerichtet, sondern die Hauptkampflinie war mit zusätzlichen Intervalltruppen und Artillerie verstärkt. In der Theorie sollt eine angreifende deutsche Streitmacht die Maginotlinie als ein integriertes Verteidigungssystem bekämpfen müssen und nicht einzelne Werke oder Kasematten. in der Wirklichkeit wurden beim deutschen Vormarsch die Intervalltruppen und Artillerie abgezogen um sie an anderer Stele zu verwenden. diese Entscheidung nahm der Linie viel an wichtiger Feuerkraft und Reserven. Als die Deutschen angriffen kämpften sie daher nicht gegen die Maginotlinie wie ihre Erschaffer sie erdacht hatten. Der Abzug der Intervalltruppen ist ein wichtiger Punkt der bei der Beurteilung der Kampfleistung der Mainotlinie immer berücksichtigt werden sollte.